Need to Succeed: Die AFC South unter der Lupe

In unserer Artikel-Serie „Need to Succeed“ betrachten wir die einzelnen Teams und ihre Baustellen für die Offseason. Bis zum Start der neuen Saison werden wir die Artikel immer wieder aktualisieren um zu schauen, wie die Franchises auf ihre Bedürfnisse reagiert haben.

Die AFC South war 2018 die engste Division und scheint voller Potential zu stecken. Zwar wurden vor der Saison vor allem die Jaguars hoch gehandelt, aber am Ende der Saison sind wir schlauer und wissen: jedes Team hat Talent und eine gute Basis. Dennoch haben die einzelnen Teams in der Offseason einiges zu tun.

  • Houston Texans

    Die Saison der Texans wurde mit viel Spannung erwartet. In der Offense stand vor allem Deshaun Watson im Fokus. Wird er nach seinem Kreuzbandriss an seine sehr guten Leistungen aus der Rookie Saison anknüpfen können? Und auch in der Defense kam ein Leistungsträger zurück: J.J. Watt hatte seine Rückenprobleme wohl auskuriert und sollte wieder voll angreifen.

    Nach einem verkorksten Saisonstart folgte eine lange Siegesserie, nach der man tatsächlich noch den Titel in der AFC South holte. Letztlich reichte es dann aber in der Wildcard Round nicht gegen die Colts und man verlor sang- und klanglos. Konnte Watson unter der Saison noch einige Defizite der Offense ausgleichen, wurden diese in den Playoffs umso deutlicher. Die Texans haben ein gutes Fundament, auf dem man aufbauen und durchaus einen Contender formen kann.

    Record 2018: 11-5, Wildcard Round
    • Needs

      Die Texans haben mit 68 Millionen viel Cap Space und können aggressiv handeln. Oberste Priorität sollte die Offensive Line haben, um Watson mehr Zeit zu geben. Danach könnten die Texans um einige Big-Impact-Player mitbieten, allem voran ein Shutdown-Cornerback. Die Texans haben auf jeden Fall eine gute Basis, auf der man ein erfolgreiches Team aufbauen kann. Im Draft haben sie den 23. sowie einen zusätzlichen Zweitrunden Pick.

      Offensive Line

      Die Texans ließen die meisten Sacks (62) und QB Hits (126) während der Saison zu. Dass es nicht noch mehr waren, ist nur Watsons Spielstil zu verdanken. Man braucht keine bestimmte Position in der Line hervorheben, sondern muss generell Verstärkung finden – dringend.

      Cornerback

      Hier könnte die größte Baustelle neben der O-Line entstehen. Zwar hatten die Texans mit vielen Verletzungen auf dieser Position zu kämpfen, aber die erste Garde gehört nicht mehr zu den jüngsten (Jonathan Joseph wird 35, Kareem Jackson 31). Hinter den beiden fehlt es auch an Qualität, zudem wird Jackson Free Agent und zu den jetzigen Konditionen wohl nicht in Texas bleiben. Hier besteht also dringend Handlungsbedarf.

      Running Back

      Lamar Millers Saisonstatistik liest sich gar nicht so schlecht: 973 Rushing Yards (Platz 11 unter den Running Backs) und ordentliche 4.6 Yards per Carry. Aber ein Blick auf einzelne Spiele, besonders gegen die mit einer besseren Run Defense, zeigt, dass Miller nicht zu den Elite Runnern gehört. Alfred Blue wird Free Agent und man darf gespannt sein, wie sich D’Onta Foreman (2017er Draftpick) nach überstandenen Verletzungen macht. Aber mehr Tiefe dürfte den Texans hier nicht schaden.

  • Indianapolis Colts

    Die letzte Offseason der Colts hat mit dem Hick-Hack um die Head-Coach-Position schon denkbar schlecht angefangen. Dazu kam die ganze Ungewissheit um Andrew Luck und nicht wenige Experten sahen sie als das schlechtestes Team der NFL.

    Der 1-5 Start in die Saison ließ auch nichts Gutes erhoffen, aber es folgte eine Winning Streak von zehn Spielen. Die Saison fand letztlich in der Divisional Round ihr Ende, nachdem man eine Woche zuvor noch die Texans eindrucksvoll aus den Playoffs schmeißen konnte. Dass es doch noch ein bisschen zu tun gibt, und die Defense über weite Strecken über ihren Erwartungen gespielt hat, hat die deutliche Niederlage gegen die Chiefs gezeigt. Aber die Colts können ein Team sein, dass uns in den nächsten Jahren viel Spaß bereiten kann und langfristig um den AFC South Titel mitspielen wird.

    Record 2018: 10-6, Divisional Round
    • Needs

      Viel fehlt bei den Colts nicht. Sie haben jetzt schon eine unglaublich talentierte junge Truppe und mit 122 Millionen Dollar den mit Abstand meisten Cap Space. Wenn die Verantwortlichen sich dazu entschließen einen Super-Bowl-Run zu starten, könnte eine aggressive Free Agency à la Rams 2018 anstehen. Receiver- und Defense-Upgrades könnten dafür schon ausreichen. Und dann ist da noch der 26. und der 34. Pick im Draft.

      Wide Receiver

      Zum Glück für die Colts, scheint sich Luck vollständig von seiner Schulterverletzung erholt zu haben. Jetzt ist es an der Zeit, ihm vernünftige Waffen an die Seite zu stellen. Allen voran sind das Receiver, da neben T.Y. Hilton Qualität fehlt. Zwar macht der starke Einsatz von Tight Ends diesen Umstand etwas wett, aber es werden gleich fünf Receiver Free Agents (darunter Rogers und Inman). Zum Glück bietet die Draft-Klasse hier eine Menge Tiefe.

      Safety

      Die Colts haben im Moment gerade einmal drei Safeties für die nächste Saison unter Vertrag. Unter den Free Agents sind mit Farley und Geathers zwei durchaus solide Spieler, die vor allem im Locker Room großes Ansehen haben. Es gibt dieses Jahr einige sehr gute Spieler auf dem Markt (u.a. Eric Reid und Landon Collins), die der Secondary der Colts einen guten Boost geben könnten. Ansonsten fehlt es neben Malik Hooker an Tiefe.

      Defensive Line

      Zwar stellten die Colts eine Top-10 Defense gegen den Run, mit Margus Hunt und Al Woods werden aber zwei alternde Starter (werden beide 32 dieses Jahr) Free Agents. Somit besteht vor allem ein Bedarf in der Interior Line.

      Aber auch im Pass-Rush kann nachgebessert werden. 38 Sacks sind zwar solide, aber es fehlte vor allem an Konstanz über die Saison. Neben Jabaal Sheard mit 5.5 Sacks kam nicht viel Produktion von außen.

  • Tennessee Titans

    Trotz der Playoffteilnahme 2017 hat man das Gefühl, dass die Titans seit Jahren vor sich hin stagnieren. Immer wieder hieß es: „wenn Mariota den nächsten Schritt macht, ist mit den Titans zu rechnen“. Aber auf diesen Schritt wartet man nun schon seit mindestens zwei Jahren – vergeblich. Mariota geht 2019 in sein Contract Year und ich sehe keine Garantie, dass er danach weiterhin der Starting QB bei den Titans ist. Er hat sowohl mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und kriegt jetzt in seinem fünften Jahr seinen vierten Offensive Coordinator. Immerhin kommt er dieses Mal aus den eigenen Reihen und könnte für etwas Stabilität sorgen. Vielleicht schaffen es die Verantwortlichen, das Team so zu verstärken, dass Mariota doch noch der Franchise QB wird, für den ihn viele halten. Immerhin ist eine Positive Entwicklung auf der anderen Seite des Balls zu beobachten.

    Record 2018: 9-7
    • Needs

      2019 sollte alles im Zeichen der Evaluierung von Marcus Mariota stehen. Dazu zählt vor allem eine gute O-Line, die 2018 mit vielen Verletzungen zu kämpfen hatte und deshalb hinter den Möglichkeiten blieb, aber auch offensive Waffen. Mit 37 Millionen Dollar Cap Space und Pick 19 im Draft sollte das machbar sein, um Mariota nächstes Jahr beruhigt einen langfristigen Vertrag zu geben.

      EDGE Rush

      39 Sacks klingt vielleicht erst mal gar nicht soooo schlecht (Platz 16 in der NFL), aber auf Platz 30 ist der Vorsprung wesentlich geringer als der Rückstand auf Platz 1. Davon kamen 11.5 durch die Edge Defender zu Stande. Außerdem werden Brian Orakpo und Derrick Morgen Free Agents, was eine gute Gelegenheit ist, sich auf der Position zu verjüngen und vor allem Geld zu sparen.

      Tight End

      Delanie Walker brach sich im ersten Saisonspiel den Knöchel und zog sich dabei auch Bänderschäden zu. Auch wenn er schon gesagt hat, zurückkommen zu wollen, darf bei seinem Alter eine Rückkehr zu alter Stärke zumindest bezweifelt werden. Dahinter konnte sich Jonnu Smith bisher nicht empfehlen und kommt auf gerade mal 38 Receptions in seinen ersten beiden NFL Jahren.

      Guard

      26-Millionen-Dollar-Mann Josh Kline hat unter seinem Preisniveau gespielt und Quinton Spain ist Free Agent. Hier muss dringen nachgebessert werden, um die Offense zu stabilisieren. Wenn das passiert, halte ich auch die Running Back Kombo aus Dion Lewis und Derrick Henry für durchaus gefährlich und produktiv (Tennessee stellte dieses Jahr bereits die siebtbeste Rushing Offense).

  • Jacksonville Jaguars

    Die Jaguars sind als eines der hochgehandelsten Teams in die Saison gestartet. 2017 hat man doch nur knapp den Super Bowl verpasst und viele waren sich einig, dass die Defense das Team durchaus tragen kann. Wenn Blake Bortles dazu noch an seine Leistung aus der zweiten Saisonhälfte anknüpfen würde und diese konstant halten kann, darf vom ganz großen Wurf geträumt werden.

    Viele Konjunktive und vier Monate später die große Ernüchterung – vom großen Hype ist nichts mehr übrig. Die Jaguars sind eine der großen Enttäuschungen der Saison und wurden letzter in der AFC South – auch wegen vielen Verletzungen in der Offense.

    Record 2018: 5-11
    • Needs

      Die Jaguars haben eines der jüngsten Teams der NFL und fraglos auf einigen Positionen, vor allem in der Defense, großes Potential, das zum Großteil noch unter Rookie-Verträgen spielt. Der frühe Pick im Draft (7th overall) kann das Team durchaus noch im Titelfenster halten, wenn er klug investiert wird. Auf der anderen Seite gibt es in der Offense viele Baustellen und das Salary Cap ist bereits jetzt mit 8 Millionen Dollar überschritten. Eine hohe Hypothek, für eine spannende Offseason in Jacksonville.

      Quarterback

      Schon seit Jahren wandelt Bortles auf einem schmalen Grad zwischen Genie und Wahnsinn und hat dieses Jahr die vielleicht längst überfällige Quittung bekommen – er wurde für Cody Kessler gebencht. Ausgerechnet dieses Jahr ist der Quarterback Markt aber sowohl in der Free Agency als auch im Draft bei weitem nicht so gut wie die letzten Jahre. Die Jaguars brauchen hier aber dringend ein Upgrade, was die Offseason in Jacksonville auf jeden Fall interessant macht.

      Wide Receiver

      Bei den Receivern fehlt eine klare Nummer 1. Ja, mit Marqise Lee ist der mögliche WR1 noch vor Saisonbeginn ausgefallen, aber selbst danach sind Westbrook, Cole und Moncrief (noch) nicht die Antworten. Der Vorteil: alle 3 sind noch sehr Jung (Westbrook und Cole kamen im Draft 2017) und mit D.J. Chark kam auch 2018 noch ein Rookie dazu. Aber mit Moncrief als Receiving Leader (668 YDS) fehlt es einfach an Qualität. Außerdem ist er dieses Jahr Free Agent und muss erst einmal gehalten werden. Glücklicherweise scheint diese Draft Class hier jede Menge Talent in die Liga zu bringen.

      Offensive Line

      Mit den Verletzungen hat es besonders die O-Line getroffen. Fast auf jeder Position ist der Starter ausgefallen, was eine Menge Probleme nach sich zieht, wenn man diese Verluste nicht kompensieren kann. Besonders die Ausfälle von Free Agency Aquisition Guard Andrew Norwell und Center Brandon Lindner ist hier zu erwähnen. Die insgesamt sehr junge O-Line bringt durch ihre Qualität aber auch ein Problem mit sich: den Preis. Hier wird es spannend sein zu sehen, ob alle Leistungsträger gehalten werden können. Denn die Hälfte der noch fitten Spieler geht in die Free Agency.

NFL und Fantasy Football verrückt seit 2016 und durch "All or Nothing" Fan der Arizona Cardinals geworden. Kam mit seiner Kolumne "Man in Motion" ins Ach Du Alarm Team und ist einfach geblieben.

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