Man in Motion – Teil 5: Die Offseason 2017

Man in Motion – Teil 5: Die Offseason 2017
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Das tolle am Dynasty-Format ist, dass man es das ganze Jahr über spielt und gefordert ist. Zwar gibt es auch bei uns eine Zeit, wo die Liga quasi geschlossen ist, aber diese Zeit gilt es in die Auswertung der letzten und in die Vorbereitung der nächsten Saison zu investieren. Da dies meine erste Offseason nach einer gespielten Saison war, sind einige Analysen und Erkenntnisse nicht so umfangreich, wie ich sie heute machen würde, aber einige Dinge lagen auf der Hand.

Meine Needs

Mit Blick auf mein damaliges Roster und den Saisonstatistiken hatte ich für die damalige Offseason folgende Needs definiert:

Prio APrio BPrio CPrio D
QB, RBLBWR, DLS

Die einzelnen Positionsgruppen habe ich bereits im letzten Teil analysiert, deshalb verzichte ich an dieser Stelle darauf.

Die Free Agency

Während der Free Agency war es mir möglich, zwei meiner größten Baustellen anzugehen. Zunächst habe ich schließlich doch noch Matt Ryan bekommen.

Vorschlag angenommen
Matt Ryan + 3.01 für
1.27 aus dem Gronkowski Deal

Den Preis fand ich angemessen, nachdem er kurz davor für einen ähnlichen Value den Besitzer gewechselt hatte.

Wenig später gab es dann auch nochmal ein paar Runden Waiver Wire, wo ich an Position zwölf an der Reihe war. Da zu dem Zeitpunkt die Gerüchte um das Comeback von Marshawn Lynch aufkamen, packte ich ihn auf meine Liste und tatsächlich habe ich ihn bekommen. Somit hatte ich also für ein oder zwei Jahre wenigstens eine weitere Option.

Auch der Wechsel von Jamaal Charles kam mir zugute, da er eventuell ein Backup Runner werden könnte. Somit, dachte ich, hatte sich meine Situation bei den Running Backs etwas entschärft.

Was ich in der Zeit bis zum Draft übersehen hatte, war die Tatsache, dass mein TE Jacob Tamme bei den Falcons entlassen wurde. Damit hatte ich nur noch drei TEs und ich hätte im Draft aktiv werden können, aber aus irgendeinem Grund ist mir das erst wesentlich später aufgefallen.

Draft Preview

Deshalb hatte ich mir vor dem Draft folgende Prioritäten gesetzt:

Prio APrio BPrio C
RB, LBWR, DLS

Durch meine Trades während der Saison hatte ich auch ganz gutes Kapital angesammelt:

  • 1.12
  • 1.30 (Lavonte Davis Trade)
  • 2.12
  • 3.01 (Matt Ryan Trade)
  • 3.27 (Rob Gronkowski Trade)
  • 3.30 (Lavonte Davis Trade)
  • 4.12
  • 6.12
  • 7.12

Mein erster Rookie Draft

Wie das aber immer so ist bei Fantasy Drafts: sie verlaufen selten so, wie geplant. Erst recht nicht in einer Liga mit 36 Teams, wo eine Menge Anfänger mitspielen. Ich hatte weder ein Draft Board, noch ausgiebig Tape geschaut oder mir die Spieler im Detail angeschaut. Ich verließ mich noch auf Rankings anderer Experten und hoffte, so meinen Value zu finden.

Noch eins vorweg: Die Texte zu den Picks habe ich 2017 geschrieben. Sie beinhalten also noch keine Bewertung aus heutiger Sicht – das mache ich vielleicht mal in einem anderen Teil.

1.04 Dalvin Cook, RB

Noch zu haben: Joe Mixon (RB), Mike Williams (WR)

Mit meinem ersten Pick adressierte ich meinen ganz großen Need: die Running Backs. Ich war kurz davor, hochzutraden um Christian McCaffrey zu picken. Der war mir schon vor dem Combine aufgefallen und hat mir sehr gut gefallen. Ich stehe einfach auf diese Art Running Back. Aber ich entschied mich dagegen, da mir der Preis zu teuer schien.

Wie in fast jedem Fantasy Draft gingen auch bei uns Fournette, McCaffrey und Corey Davis zuerst weg. Vor mir dann die ersten beiden Joe Mixons.

Ich entschied mich aus Sympathiegründen aber gegen ihn. An diesem Punkt etablierte ich auch bewusst eine Art moralische Basis für mein Fantasy Team. Spieler, die abseits des Platzes gegenüber anderen Menschen gewalttätig werden oder anderweitig mit dem Gesetz kollidieren, möchte ich nicht in meinem Team haben.

Da ich RBs dringender brauchte als WR, habe ich Cook vor Williams gepickt. Mit Bell und Lynch, der noch mindestens zwei Jahre spielen wollte, habe ich zwei sehr gute RBs und mit Cook nun einen dritten, der in Zukunft einschlagen wird. Mehr Tiefe kann ich dann im nächsten Jahr angehen bzw. habe ich mit Duke Johnson noch einen Backup, der solide Punkte liefert und eventuell auch noch seinen Durchbruch hat.

1.30 Jarrad Davis, LB

Noch zu haben: OJ Howard (TE)

An diesem Punkt hatte ich ernsthaft überlegt, einen TE zu draften (wäre mit die Situation mit Tamme bewusst gewesen, hätte ich es wohl auch gemacht). Auch wenn OJ Howard als Nr. 1 TE gehandelt wurde, hatte ich eher ein Auge auf David Njoku geworfen. Dieser erschien mir hier aber etwas overvalued.

Da bereits an 1.23 der erste LB in Reuben Foster wegging und sogar Myles Garret an 1.28, habe ich meine Strategie angepasst und schon auf Defense gesetzt. Mein Nr. 1 LB war Jarrad Davis und da es mir unwahrscheinlich erschien, dass er bis 2.12 noch zu haben ist, pickte ich ihn letztlich (das war gut so, da er bei 2.03 weg war).

2.12 Haason Reddick, LB

Noch zu haben: David Njoku, TE

Wie schon geschrieben, war Njoku mein Nr. 1 TE und der erste ging genau ein Pick vor mir weg. Allerdings sah ich meinen Need damals bei den LBs höher. Also entschied ich mich für meinen Nr. 2 LB (auch, weil die Cards mein Lieblingsteam sind).

3.01 Jamaal Adams, S

Noch zu haben: Cooper Kupp (WR)

Dafür, dass ich WR mit Prio B versehen hatte, habe ich mich darum gar nicht bemüht. Das lag in den ersten Runden vor allem daran, dass mit Ross und Smith-Schuster zwei WRs an undankbaren Spots gelandet sind. Eventuell haben sie Dynasty Value, aber keiner, der mir im Augenblick hilft. Ich hatte allerdings vor dem Draft Cooper Kupp ins Auge gefasst. Die Rams Offensive konnte nur besser werden und ein Startplatz für den Rookie schien mehr als möglich. Der Value in dieser Runde war eigentlich auch da. Allerdings habe ich (eventuell zu viel) recherchiert und mir ist mehrfach aufgefallen, dass Kupp für Dynasty Football nicht so hoch gehandelt wurde. Also habe ich mich für den, meiner Meinung nach, besten Safety entschieden.

3.27 Trade

Noch zu haben: Chris Godwin (WR)

An der Stelle habe ich keinen großen Value gesehen und mit 4.05 und 4.16 einen guten Gegenwert bekommen.

3.30 Malik Hooker, S

Außerdem hatte ich schon recht bald den nächsten Pick. Von der Position her bin ich zufrieden mit dem Pick, habe mich im Anschluss aber doch direkt geärgert. Ich war mir unschlüssig, ob Hooker oder Budda Baker die bessere Wahl ist. Im Nachhinein habe ich gesehen, dass Baker in einigen Rankings mit unter deutlich vor Hooker gesetzt wurde. Dies war also die erste Entscheidung, die mir Bauchschmerzen bereitete.

4.05 Raekwon McMillan, LB

Ab diesem Punkt habe ich versucht nach vorhandenem Value zu picken. Es gab keinen Offense Spieler mehr, in dem ich den Wert gesehen habe, für den es noch Defense Spieler gab. Also habe ich meine LBs verstärkt.

4.12 Josh Reynolds, WR

Noch zu haben: Cooper Kupp (WR)

Reynolds und Kupp wurden fast gleich gerankt, aber Reynolds mit mehr Upside für Dynasty Ligen. Deshalb fiel meine Wahl auf ihn. Als ich dann gesehen habe, das Kupp an 4.22 weggeht, habe ich mich doch geärgert, weil das aus meiner Sicht ein Steal gewesen ist. Mein Bauch hat mir zu Kupp geraten (ähnlich wie bei Budda Baker) und die Zukunft wird zeigen, was mein Bauchgefühl in Sachen Fantasy Football Wert ist.

4.16 Jabrill Peppers, S

Noch zu haben: Cooper Kupp (WR)

Eigentlich der Spieler, auf den ich nach McCaffrey am meisten scharf war. Ein absolutes Talent, welches eventuell sogar in der Offense und in Special Teams eingesetzt wird. Wenn dem so ist, könnte er ein Punktegarant werden. Umso schöner, dass er in der 4. Runde noch da war.

6.12 Anthony Walker, LB

Noch zu haben: George Kittle (TE)

Zum Zeitpunkt des Picks für mich ein Value Pick. Allerdings war er dann auch eine Runde später noch zu haben. Hier wäre rückblickend auch größerer Value da gewesen.

7.12 Chad Hansen, WR

Noch zu haben: Anthony Walker (LB)

Auch wieder eine Entscheidung, die ich im Nachhinein bereut habe. Ich habe bereits einen jungen Jets Receiver im Roster, und mit Steward gibts noch mehr Konkurrenz. Aber beim 7th Round Pick, ist das zu verschmerzen.

Draft Review

Vergleicht man meine Picks mit meinem Vorhaben, sieht man einige Differenzen. Ich hatte mich entschieden, meiner D-Line zu vertrauen (allen voran Bosa und Wilkerson) und den Rookies aus der Vorsaison etwas Zeit zu geben. Die Safeties habe ich dafür eher ins Visier genommen, was denke ich ganz gut war. Sorge machten mir meine Receiver, da hätte ich im Draft aktiv werden müssen. Ich dachte, dass ich das durch meine RBs vielleicht kompensieren kann. Aufgrund der fehlenden Tiefe darf den Spielern aber nichts passieren.

Die Erkenntnisse aus meinem ersten Rookie Draft:

  • Das offensichtlichste: kenne die Spieler.
    Wenn man ernsthaft in einer Dynasty Liga spielen will, sollte man die Rookies einschätzen können und sich nicht blind auf Rankings verlassen. Es ist dabei nicht zwingend notwendig, das ganze Jahr über College Football zu verfolgen, aber zwischen Weihnachten und NFL Draft ist genug Zeit, sich mit den Spielern zu beschäftigen.
  • Kenne die Draft Klasse.
    Es ist außerdem von Vorteil, die gesamte Draftklasse einschätzen zu können. Auf welchen Positionen ist sie stark und schwach besetzt und wie verhält sie sich zu den Klassen der vergangenen und im besten Fall zu den kommenden Jahren. Daraus lässt sich der Value für Spieler und Positionsgruppen besser ein- und abschätzen.
  • Ich war sehr überrascht, dass die IDP Spieler bei uns schon Mitte der ersten Runde vom Board gingen. Die meisten Experten haben das eine Runde später prognostiziert. Eine wichtige Erkenntnis für die nächsten Jahre.

Die restliche Offseason

Die Free Agency Phase startete ca. einen Monat nach unserem Rookie Draft. In dieser Zeit hat sich Dennis Pitta schwer verletzt und es wurde über ein Karriereende spekuliert. Da ich (wie oben schon beschrieben) die TE Position vor dem Draft übersehen hatte, stand ich plötzlich nur noch mit zwei Tight Ends da. Hier musste ich also nachbessern. Kyle Rudolph war zwar einer der besten in der abgelaufenen Saison, aber perspektivisch weiß man nicht, wie es bei den Vikings weitergeht. 2016 waren die Rookie Tight Ends überdurchschnittlich gut und in der Tiefe stark besetzt. Also schaute ich mich um, wen es noch auf dem Markt gab. Ich bin bei Jordan Legget, dem Rookie der Jets fündig geworden. Aber nach wie vor war ich auf dieser Position schwach besetzt.

Ein weiterer Add war De’Angelo Henderson, RB von den Broncos. Da Jamaal Charles nicht mehr lange spielt, Booker letzte Saison nicht so überzeugt hat und das Laufspiel in Denver sowieso nicht das beste ist, dachte ich, ich nehme ihn erst mal ins Roster und warte ab. Vielleicht bekommt er ja eine Chance. Und noch etwas Tiefe bei den RBs ist auch nicht schlecht.

Viel mehr passierte in meinem Team aber nicht mehr. Letztlich sah mein Roster nach unseren Roster Cuts vor dem Saisonstart wie folgt aus:

Ob die Moves dieser Offseason mein Team zum positiven oder negativen verändert haben, könnt ihr in den nächsten Artikeln lesen – beginnend mit dem zu meiner zweiten Fantasy Saison.

Bis dahin,
euer Jakob

NFL und Fantasy Football verrückt seit 2016 und durch "All or Nothing" Fan der Arizona Cardinals geworden. Kam mit seiner Kolumne "Man in Motion" ins Ach Du Alarm Team und ist einfach geblieben.

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