Man in Motion – Teil 1: Mein Weg zum Fantasy Football

Man in Motion – Teil 1: Mein Weg zum Fantasy Football

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Hallo. Ich bin Jakob – und ich bin süchtig. Süchtig nach Fantasy Football. Nein, keine Football spielenden Elfen und Orks, sondern FANTASY FOOTBALL. Du kennst das nicht? Dann pass mal auf.

Ein Opfer der Werbung

Angefangen hat alles im Januar 2014 mit einem HORIZONT Artikel zu den besten Super-Bowl-Werbespots. Natürlich hatte ich schon einiges vom größten Einzelsportevent der Welt mitbekommen, aber ich habe Football bis dahin nie verstanden. Für mich war es dieser komische Sport, bei dem sich die Athleten wie Idioten die Köpfe einrennen, das Spiel eine gefühlte Ewigkeit dauert und es eigentlich nur Werbeunterbrechungen gibt.

Als ich mir die sehr aufwendig und mit einem mega Budget produzierten Clips nach und nach anschaute, war ich begeistert. Dieser kreative Wettkampf um den lustigsten, dramatischsten oder skurrilsten Spot beeindruckte mich. Besonders eine Doritos Werbung machte mich neugierig auf das Sportereignis, für welches schon im Vorfeld so ein Aufwand betrieben wurde.

Aller Anfang ist zäh

Also schaute ich am 04.02.2014 Super Bowl XLVIII (den 48. Super-Bowl, für alle nicht-Römer unter uns). Ich kannte weder die Regeln, noch die Teams oder die Spieler. Aber als selbstbetitelter Sport-Nerd kann man sich das ja mal geben.

Das Spiel begann direkt mit einem nie da gewesenen Spielzug: Einem Safety nach 12 Sekunden. Ein Missverständnis zwischen Quarterback Peyton Manning und seinem Center führte zu einem Snap, der in die Endzone der Broncos flog und dort nur recovered werden konnte. 2:0 Seahawks. So schnell wurden in einem Super Bowl noch nie Punkte erzielt. Der Rest des Spiels konnte mit dem rasanten Anfang jedoch nicht mithalten. Die so hochgelobte Defense der Denver Broncos wurde von den Seahawks nach Belieben auseinandergenommen. Doch trotz des deutlichen Endergebnisses von 43:8 hatte ich Blut geleckt. Der Sport war faszinierend und offenbarte eine nicht für möglich gehaltene Tiefe.

Spektakel bis zum Ende

Also schaute ich im nächsten Jahr wieder den Super Bowl. Es spielten wieder die Seahawks. Dieses Mal gegen die seit Jahren dominierenden New England Patriots. Ich saß zusammen mit einem Sport-Duden in der Hand vor dem Fernseher und lauschte der ranNFL-Crew von ProSiebenMAXX rund um den von mir sehr geschätzten Frank Buschmann. Sie machten es Einsteigern wie mir sehr einfach, einen Zugang zu dem Sport zu finden und bei jedem Spielzug mitzufiebern. Das Spiel war dafür aber auch wie gemacht. Erst 26 Sekunden vor dem Ende sorgte einer der kontroversesten Playcalls der Super-Bowl-Geschichte für die Entscheidung, als ein Passversuch der Seahawks unmittelbar vor der Goalline abgefangen wurde.

Mit Start der Saison 2015 bekam ich mit, dass auch die Regular Season (zumindest zum Teil) in Deutschland gezeigt wurde. Also schaute ich auch mal zwischen September und Dezember ein paar Spiele und merkte, wie das Interesse bei mir immer weiter stieg.

Legende vs. Newcomer

Super Bowl 50 sollte dann ein großes Spektakel werden. Die Legende Payton Manning traf (wieder) mit den Denver Broncos auf den aufstrebenden Showstar Cam Newton und die in der Saison dominanten Carolina Panthers. Das Spiel konnte zwar nicht ganz halten, wozu es im Vorfeld gemacht wurde, aber es war ein weiteres Puzzleteil auf meinem Weg zum Fantasy Football. Denn ich verstand die Regeln des Sports mittlerweile soweit, dass ich immer mehr Interesse an dem unfassbar tiefen taktischen Aspekt entwickelte, aber, bis auf ein paar Namen, die Spieler nicht kannte. Und das wollte ich ändern.

Rocket Beans TV

So war es quasi Schicksal, dass der Streamingsender Rocket Beans TV (RBTV) in dieser Zeit sein Forum relaunchte, in dem ich den Fantasy-Football-Thread entdeckte. Obwohl ich das grundlegende System durch ähnliche Managerspiele für die Fußball-Bundesliga bereits kannte, wurde mein mangelndes Wissen an der Thematik durch qualifizierte Fragen wie “Was bedeutet das?” schnell deutlich. Aber damit war ich nicht alleine und so fanden sich 36 interessierte Spieler mit unterschiedlichem Wissensstand, aber einem Ziel: Fantasy-Champ werden.

Willkommen in der RFL

Da war sie nun, die Liga der 36 außergewöhnlichen Gentlemen und Woman: Die Rocket Beans Football League (RFL). Man kann Fantasy Football auf verschiedenste Art und Weise spielen. Das am weitesten verbreitete System ist, dass man jedes Jahr ein neues Team draftet und versucht die Liga zu gewinnen (Redraft). Ein anderes Format nennt sich Dynasty. Hier sind die Teams wesentlich größer und man behält sie ein Leben lang. Wir haben noch eine Schippe drauf gelegt und uns für das IDP-Format entschieden. Das bedeutet, dass neben Offense-Spielern auch Defense-Spieler zum Team gehören. Das erfordert ein noch detaillierteres Wissen zu den NFL-Teams und Spielern.

Die Faszination Fantasy Football

Auf den Ligastart und mein Team komme ich in den nächsten Teilen zu sprechen. An dieser Stelle möchte ich aber nochmal darauf eingehen, was die Faszination Fantasy Football ausmacht.

Zunächst wäre da der Fakt, dass das Schauen der realen Spiele wesentlich aufregender ist. Ein NFL-Team wird sofort interessant, wenn es einen Spieler hat, der für einen Fantasy-Punkte sammelt. Bei jeder Aktion des Spielers wird mitgefiebert und auf eine gute Leistung gehofft. Ich denke, dieses Gefühl kennt jeder, der ebenfalls eine solche Art von Managerspielen spielt.

Das Schöne am Fantasy Football ist aber, dass die Bewertung objektiv anhand von Statistiken erfolgt. Jedes geworfene, erlaufene oder gefangene Yard, jedes Tackling oder jede Interception wird für jeden Spieler individuell in Punkte umgerechnet. Somit ist man nicht, wie zum Beispiel bei vergleichbaren Fußball-Ligen, auf die subjektive Bewertung einzelner Redakteure angewiesen. Das i-Tüpfelchen ist der Echtzeit-Aspekt. Die Statistiken werden während des laufenden Spiels ständig aktualisiert, wodurch man sein Fantasy-Matchup pausenlos verfolgen kann. Gerade sonntags während der Redzone-Konferenz ist das besonders spannend.

Hinzu kommt, dass jedes NFL-Team gute Fantasy-Football-Spieler hat. Das liegt zum einem am System der NFL mit Draft und Salary Cap und zum anderen daran, dass gute Football-Spieler nicht zwangsläufig auch gut für Fantasy Football sind. Football ist ein Sport, der verschiedenste Disziplinen vereint und nicht jede Disziplin ist relevant für Fantasy Football. Man muss also erst einmal die relevanten Spieler der jeweiligen Teams finden. Und sich dieses Wissen zu erarbeiten macht unheimlich viel Spaß, erfordert aber auch eine Menge Zeit.

Einen großen Vorteil hat das Dynasty-Format noch: Es läuft das ganze Jahr. Redraft-Ligen dauern in der Regel von August bis Dezember. Alles darüber hinaus ist eigenes Interesse. Bei Dynasty sind Events wie der Start der Free Agency, dem Combine, dem NFL-Draft und sogar die College-Football-Saison relevant. Je besser man diese Dinge einzuschätzen lernt, desto höher ist die Erfolgswahrscheinlichkeit in der Fantasy-Liga.

Die richtige Fantasy-Liga finden

Eine Fantasy-Liga macht am meisten Spaß mit Leuten, die man kennt. Das habe ich in meinem zweiten Jahr gemerkt, als ich in verschiedenen Ligen gespielt habe. Das Problem ist, dass in Deutschland das Interesse an der NFL erst am Wachsen ist, und ein Freundeskreis mit mindestens acht Fantasy-Spielern wohl schwer zu finden ist. Aber Interessen verbinden auch. Die Mitspieler der RFL kannten sich beim Start auch nur vereinzelt, aber die Tatsache, dass wir alle mit RBTV ein gemeinsames Interesse teilen, macht die Liga zu etwas besonderem. Mittlerweile trifft man sich, wenn sich Gelegenheiten ergeben oder zockt zusammen. Es herrscht ein reger Austausch über eine WhatsApp-Gruppe, was ich für sehr wichtig halte. Denn je besser man sich kennt, desto mehr Spaß machen die Begegnungen in der Liga.

Für alle, die auf der Suche nach einer Liga sind, empfehle ich die Facebook-Gruppe der Footballerei. Quasi die Partnerbörse der deutschen Fantasy-Singles.

Fantasy Football ist ein Begriff, der aus meinem Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Egal ob Videos, Podcasts oder Artikel – es fließt sehr viel Zeit in dieses Hobby. Seit zwei Jahren spiele ich jetzt und versuche mich immer tiefer in die Materie einzuarbeiten und Analysen zu machen. Diese werde ich in dieser Artikelserie mit euch teilen, damit ihr einen Rookie auf dem Weg zum Hall of Famer begleiten könnt. Außerdem ist es für mich ein gute Möglichkeit, meine Sucht zu kanalisieren.

NFL und Fantasy Football verrückt seit 2016 und durch "All or Nothing" Fan der Arizona Cardinals geworden. Kam mit seiner Kolumne "Man in Motion" ins Ach Du Alarm Team und ist einfach geblieben.

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