Man in Motion – Teil 2: Mein erster Draft

Man in Motion – Teil 2: Mein erster Draft
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Im ersten Teil dieser Kolumne habe ich beschrieben, wie ich überhaupt zum Fantasy Football gekommen bin. Jetzt, wo der zweite Rookie-Draft der Rocketbeans Football League (RFL) gerade zu Ende gegangen ist, ist es an der Zeit, einen Blick zurück zu werfen und den Beginn meiner ersten Fantasy-Liga unter die Lupe zu nehmen.

Diese Artikelreihe widme ich hauptsächlich meinem Team, den Jena Dragons. Ich möchte die Entwicklung des Teams und natürlich meine Erfahrungen dokumentieren, um zu zeigen, dass jeder Fantasy Football spielen kann. Und eventuell nehmen Einsteiger den einen oder anderen Tipp mit, um schneller Erfolg zu haben.

Eine besondere Liga erfordert besondere Maßnahmen

Die RFL ist eine besondere Fantasy-Football-Liga, da sie aus 36 Teams besteht. Diese sind in sechs Divisions à sechs Teams aufgeteilt. Die Zusammenstellung wurde vor Ligastart ausgelost und soll auch auf Dauer so bleiben. Die Divisions werden zu Saisonbeginn zwei Conferences (BFC und RFC) zugelost. Dadurch ergibt sich jedes Jahr ein neuer Spielplan, aber die Rivalität innerhalb der Division bleibt erhalten.

Der Spielplan ergibt sich dann aus zwei Spielen gegen die Teams der eigenen Division, einem Spiel gegen die restlichen Teams aus der eigenen Conference und zwei zufällig gelosten Partien gegen zwei Owner der gegnerischen Conference. Da jede Woche zwei Spiele pro Team stattfinden (Doubleheader), ergibt sich die Regular Season von NFL-Spieltag eins bis 13. In den Wochen 14-16 finden dann die Playoffs statt.

Um alle Teams bei Laune zu halten, gibt es drei Playoff Brackets. Den Loser Bowl, den Pro Bowl und den Super Bowl. Im Super Bowl geht es um die Meisterschaft, die wie in der NFL ausgespielt wird. Erst ermitteln die beiden Conferences ihr bestes Team, ehe diese im Endspiel den Sieger ausspielen.

Diesen Modus haben wir vor der zweiten Saison etabliert, da es im ersten Jahr viel Chaos in den K.o.-Runden gab.

Aufgrund der hohen Anzahl an Ownern, ist jeder NFL-Spieler dreimal in der RFL vorhanden. Wir spielen also quasi drei Zwölfer-Ligen in einer. Außerdem spielen wir mit individuellen Defense-Spielern (IDP), was in einer Rostergröße von 46 Spielern resultiert. Hinzu kommen drei Taxisquad-Plätze für Spieler im ersten und zweiten NFL-Jahr und während der Saison auch fünf zusätzliche Injured-Reserve-Plätze (für Spieler die langfristig ausfallen). Für einen Anfänger wie mich also gleich mal eine Herausforderung, denn ich kannte bis dahin nur die Namen der “ganz großen” Spieler – und die spielten allesamt in der Offense.

Am Anfang steht der Draft

Der Fantasy Draft ist für viele Owner der Part, der am meisten Spaß macht. Es gibt sogar ein eigenes Format, in dem man jede Woche ein neues Team draftet (DFS). Der sogenannte Startup Draft hat im Dynasty-Format einen besonderen Stellenwert, da er den langfristigen Erfolg eines Fantasy-Teams maßgeblich beeinflusst.

Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Aber wie bereitet man sich auf diesen am besten vor?

Zunächst muss man sich Wissen aneignen. Über die NFL-Teams, die Spieler, deren Fantasy-Wert und die Fantasy-Liga (dazu gleich mehr). Es gibt unzählige Rankings im Netz zu finden, welche man für die Vorbereitung nutzen kann. Ich saß damals mit viel Papierkram vor dem Rechner und habe die Spieler einen nach dem anderen durchgestrichen. Mittlerweile versuche ich, mir ein Draftboard zu erstellen. Das ist eine Liste, sortiert nach der Reihenfolge, in der ich die Spieler auswählen würde. Natürlich sind diese Listen meisten nach den ersten Picks hinfällig, da ein Fantasy Draft ähnlich chaotisch verläuft, wie der NFL Draft. Diesen kann man sich als Neuling übrigens auch anschauen (zumindest die erste Runde). So lernt man die neuen Spieler gleich etwas näher kennen und lernt auch etwas zu den Teams, die sie draften.

Nimm deine Liga unter die Lupe

Wie ich schon sagte, ist es auch wichtig, seine Fantasy-Liga gut zu kennen. Genauer gesagt, zwei Dinge – das Starting Line-Up und das Scoring System.

Das Starting Line-up

Das Starting Line-up definiert, wie viele Spieler einer Positionsgruppe man aufstellen kann. Meistens gibt es eine Mindestanzahl und bei bestimmten Positionsgruppen auch Flex-Spots. Hier kann man selber entscheiden, mit welchem Spielertyp man das Line-Up auffüllt.

Unser Starting Line-Up ergibt sich folgendermaßen:

Offense (9 Starter) Defense (9 Starter) 
1 QB2-5 DE/DT (DL)
2-4 RB2-5 LB
2-4 WR2-5 CB/S (DB)
1-3 TE
1 PK

Wir haben in der Defense einige Positionsgruppen zusammengefasst, dafür aber reichlich Flex-Möglichkeiten.

Warum ist es wichtig, das vor dem Draft zu wissen? Eigentlich ganz einfach: Die besten Spieler werden natürlich recht früh gepickt, weshalb man versuchen sollte, sein Starting Line-Up möglichst schnell voll zubekommen. Es bringt nicht viel, fünf Running Backs zu draften, aber dann keinen guten Receiver im Roster zu haben. Außerdem kann die Quantität bestimmter Positionsgruppen im Line-Up die Draftstrategie massiv beeinflussen (dazu wird es bei uns während der Offseason noch den ein oder anderen Artikel geben).

Das ist eine Erkenntnis, die vermutlich jedem unterbewusst klar ist. Aber ich denke, es ist ganz gut, sich das an dieser Stelle nochmal vor Augen zu führen.

Das Scoring System

Das Scoring System legt fest, wie viele Fantasy-Punkte ein NFL-Spieler für welche Aktion bekommt. Jeder Anbieter hat sein eigenes Standard Scoring, aber in der Regel kann man dieses selbst nach Belieben anpassen. Für Anfänger ist es unglaublich schwer, die Fantasy-Qualität von Spielern einzuschätzen. Gerade die Punktevergabe für die Defense-Spieler ist ohne Vorkenntnisse ein Buch mit sieben Siegeln.

Hier sollte man durchaus etwas Recherche betreiben und die Statistiken der Spieler in Punkte umrechnen. So erkennt man den Wert einzelner Spieler und ganzer Positionsgruppen.

Unser gesamtes Scoring System würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Kurzgesagt, wir spielen ein PPR-System (1 Point per Reception), welches vor allem die Running Backs stärkt, die ins Passspiel involviert sind. Wer Interesse hat, kann sich das komplette Scoring System auf MFL ansehen.

Die ersten 17 Runden

Unser Draft hatte insgesamt 46 Runden im Snake-Format (die Reihenfolge alterniert von Runde zu Runde), wobei ich den 33. Pick zugelost bekam. Wie schon erwähnt, war ich blutiger Anfänger und saß mit meinen Listen vor dem Rechner und hakte die Spieler einen nach dem anderen ab. Unseren kompletten Draft findet ihr übrigens auch bei MFL.

Die ersten 17 Runden schau ich mir noch etwas genauer an, da sie theoretisch mein Starting Line-up ergeben sollten (den Kicker mal außen vor). Die späteren Picks fasse ich dann zusammen.

1.33 TE1 Rob Gronkowski, New England Patriots

„Gronk“ wurde 2016 als sechster Spieler in Dynasty Rankings geführt. Er ist einer der Spieler, die den Unterschied machen können. Sowohl in der NFL, als auch im Fantasy Football und auf seiner Position sowieso. So gesehen konnte ich mich sogar glücklich schätzen, ihn an 33. Position noch zu bekommen. Aus heutiger Sicht würde ich aber keinen Tight End mehr in der ersten Runde draften. Egal, in welchem Format. Dazu erzielen sie im Vergleich zu wenig Punkte (dazu mehr in den Saisonauswertungen).

1st2nd3rdADPDiffRatingAvailable
1.121.131.331.23-10ReachDavid Johnson, RB (Arizona Cardinals)

Kurze Erklärung zur Tabelle:
Die ersten drei Spalten sind die jeweiligen Draft Picks, an denen der Spieler bei uns ausgewählt wurde (Runde.Pick). Meine Auswahl ist jeweils fett markiert. Der ADP ist der Durchschnittswert des Spielers in unserem Draft und die Differenz (Diff) gibt an, wie viele Picks ich drüber oder drunter lag (36 Picks sind eine Runde). Dadurch lässt sich der Wert eines Spielers bei uns etwas besser einschätzen. Ein negativer Wert ist dabei immer besser als ein positiver, da es bedeutet, dass ich den Spieler unter dem Durchschnittspreis bekommen habe. Für das Rating gibt es die Werte Steal (Spieler, der weit über seinem ADP performt hat und ich heute vermutlich eher draften würde), Reach (Spieler, der unter seinem ADP performt hat und ich heute später draften würde), Bust (total enttäuschender Spieler, der seinem ADP überhaupt nicht gerecht wurde und ich heute nicht mehr draften würde) und Value (Spieler, die an dieser Position im Draft okay sind). Die Spieler unter „Available“ waren zu diesem Zeitpunkt noch vorhanden und wären eine bessere Alternative gewesen.


2.04 RB1 Le’Veon Bell, Pittsburgh Steelers

Meiner Meinung nach ist mein zweiter Pick ein klarer Steal. Ein Jahr später wäre Bell wohl in den Top 10 vom Board gewesen. Das lag vielleicht auch daran, dass er 2016 die ersten vier Spiele gesperrt war und generell als verletzungsanfällig gilt. Er stand aber offensichtlich in meinen Rankings sehr weit oben, weshalb ich froh bin, ihn gedraftet zu haben. Ich verfolge ihn als einen meiner besten Punktelieferanten etwas genauer und mittlerweile ist er zu einem meiner Lieblings-NFL-Spieler geworden.

1st2nd3rdADPDiffRatingAvailable
1.112.042.091.29-11Steal


3.33 LB1 Lavonte David, Tampa Bay Buccaneers

Defense-Spieler wurden bei uns ab der ersten Runde gedraftet, weshalb ich hier schon relativ früh reagieren musste. David war dafür sicherlich nicht die schlechteste Wahl, auch wenn es sicherlich noch bessere Optionen gegeben hätte.

1st2nd3rdADPDiffRatingAvailable
3.323.334.023.352ReachJordy Nelson, WR (Green Bay Packers)

4.04 WR1 Doug Baldwin, Seattle Seahawks

Nach dem Draft war meine Einschätzung, dass ich Baldwin wohl etwas zu früh gepickt habe. Nach zwei Jahren würde ich den Pick aber wieder so machen, da er in beiden Jahren ein Top-15-WR bei uns war. Trotzdem nicht die beste Wahl für einen Dynasty-WR1.

1st2nd3rdADPDiffRatingAvailable
4.044.147.205.3062Reach

5.33 QB1 Carson Palmer, Arizona Cardinals

War nach der 2015er Saison ein sicherer Pick, aber an die Leistung konnte das gesamte Team nicht anknüpfen. Rückblickend habe ich ihn also viel zu früh gedraftet, obwohl er bei uns im Draft schon früher vom Board ging. Da wäre noch wesentlich mehr Upside vorhanden gewesen, was mir auf der Position langfristig mehr geholfen hätte.

1st2nd3rdADPDiffRatingAvailable
2.035.125.334.36-33BustMarcus Mariota, QB (Tennessee Titans)

6.04 RB2 Jamaal Charles, Kansas City Chiefs

Charles war jahrelang einer der besten Running Backs, bis ihn eine schwere Knieverletzung außer Gefecht setzte. Er konnte danach nie wieder an seine Leistung anknüpfen und wird seine Karriere wohl bald beenden. Mein größter Bust in diesem Draft.

1st2nd3rdADPDiffRatingAvailable
2.336.047.355.16-24BustTravis Kelce, TE (Kansas City Chiefs)

7.33 DB1 Karl Joseph (R*), Oakland Raiders

Joseph habe ich beim Draft gesehen und die Highlight Tapes haben mich begeistert, weshalb ich ihn gerne haben wollte. Er ist ein junger Playmaker, der keinem Kontakt aus dem Weg geht und noch sehr viel Spaß machen kann. Dennoch ist er in der 7. Runde klar zu früh gepickt.

1st2nd3rdADPDiffRatingAvailable
7.107.3312.129.2968ReachAlec Ogletree, LB (LA Rams)
  • R = Rookie


8.04 DL1 Joey Bosa (R), San Diego Chargers

Ich weiß gar nicht mehr, warum ich mich für Bosa entschieden habe. Vermutlich war er in einer meiner Listen sehr hoch geführt. In der Retrospektive ein Glücksgriff, da er sich zu einem klaren Stud entwickelt hat, aber erst am Anfang seiner Karriere steht. Allerdings war die 8. Runde vermutlich zu früh.

1st2nd3rdADPDiffRatingAvailable
5.348.0411.157.24-16ValueT.Y. Hilton, WR (Indianapolis Colts)

9.33 DL2 Muhammad Wilkerson, New York Jets

Zwei Defensive Ends direkt nacheinander zu picken ist schon mal ein Anfängerfehler. Da ich damals die Stärke der unterschiedlichen Defense-Positionen überhaupt nicht einschätzen konnte, erschienen mir zwei High-Tier-Spieler sinnvoll (ein Tier beschreibt eine Einteilung von Spielern in verschiedene Qualitätslevel). 2016 hat Wilkerson auch noch gut Punkte gemacht, 2017 aber überhaupt nicht. Mit seinem Wechsel zu den Green Bay Packers hoffe ich auf ein bis zwei Saisons, wo ich ihn bei bestimmten Matchups aufstellen kann.

1st2nd3rdADPDiffRatingAvailable
 8.25 9.309.339.16-17ReachLandon Collins, S (New York Giants)

10.04 LB2 DeAndre Levy, Detroit Lions

Nach Charles mein zweitgrößter Bust. Als Starter geholt, allerdings die Verletzung unterschätzt. Hat insgesamt fünf Spiele gestartet, wovon eins Fantasy-Relevanz hatte. Vor der 2017er Saison habe ich ihn dann gedroppt. Interessant ist, dass er, mit Blick auf unseren Fantasy Draft, ein Steal gewesen ist.

1st2nd3rdADPDiffRatingAvailable
 8.019.2810.049.02-38BustJoey Bosa, DE (San Diego Chargers)

11.33 WR2 John Brown, Arizona Cardinals

John Brown ist ein Spieler, der unglaublich Spaß machen kann. Nach seiner 1.000yrd Saison 2015 hat er auf jeden Fall das Potential zum WR2. Allerdings konnte er 2016 und 2017 verletzungsbedingt nicht an diese Leistung anknüpfen. Ich habe die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben und hoffe, dass er jetzt bei den Baltimore Ravens wieder durchstarten kann. Ansonsten wird aus einem Reach ein Bust.

1st2nd3rdADPDiffRatingAvailable
11.3313.0713.1512.24+26ReachMelvin Gordon, RB (San Diego Chargers)

12.04 WR3 Michael Crabtree, Oakland Raiders

Michael Crabtree ist zurückschauend ein echter Gewinn für mein Team gewesen. Da Amari Cooper 2016 und 2017 nicht an seine Rookie-Saison anknüpfen konnte, hat Crabtree (vor allem 2016) gut Punkte geliefert. Da ich ihn als meinen WR3 gedraftet habe, ist er fast ein Steal, allerdings hätte es zu diesem Zeitpunkt bessere Spieler auf anderen Positionen gegeben. Somit ist er für mich ein leichter Reach.

1st2nd3rdADPDiffRatingAvailable
11.1212.0413.2312.18+14ReachCalais Campbell, DE (Arizona Cardinals)

13.33 DB2 Richard Sherman, Seattle Seahawks

Mit zwei Jahren Erfahrung weiß ich jetzt auch, dass CBs (zumindest in unserem Scoring System) kaum Punkte machen. Erst recht nicht die besten NFL-Spieler. Dadurch war Sherman ein klarer Bust.

1st2nd3rdADPDiffRatingAvailable
10.1413.2913.3311.24-63BustZach Brown, LB (Buffalo Bills)

14.04 DB3 Prince Amukamara, Jacksonville Jaguars

Ähnlich wie in der 8. & 9. Runde ist es nicht sinnvoll, auf diesen Positionen back-to-back Spieler zu draften.

1st2nd3rdADPDiffRatingAvailable
14.0414.0919.0617.23+91BustEric Weddle, S (Baltimore Ravens)

15.33 DL3 Everson Griffen, Minnesota Vikings

Griffen ist einer der besten Spieler auf seiner Position und sollte mein klarer Starter neben Wilkerson und später Bosa werden. Aufgrund seiner ADP bei uns ist er für mich ein Steal gewesen.

1st2nd3rdADPDiffRatingAvailable
13.0914.2915.3314.21-51StealKiko Alonso, LB (Miami Dolphins)

16.04 TE2 Coby Fleener, New Orleans Saints

Fleener war ein hochgehandelter TE, der gerade zu einem der Top-QBs gewechselt ist. Allerdings war er in beiden Jahren eine totale Enttäuschung. Vielleicht findet er nochmal ein Team, ansonsten wird er den Roster Cut bei mir nicht überstehen.

1st2nd3rdADPDiffRatingAvailable
16.0419.3620.2817.34+66BustKarl Joseph, S (Oakland Raiders)

17.33 LB3 Thomas Davis, Carolina Panthers

Davis ist sicherlich nicht die sexy Wahl für einen LB, gerade da er in Luke Kuechlys Schatten spielt, aber er war ein solider Punktelieferant.

1st2nd3rdADPDiffRatingAvailable
14.1717.3318.0317.1023Value

Zwischenfazit

Für ein Zwischenfazit bewerte ich die ersten 17 Runden in zwei Kategorien. Einmal mit der Einschätzung nach zwei gespielten Jahren und den erbrachten Leistungen der Spieler und einmal nach ihrer Position in unserem Draft.

Einschätzung nach Draftposition

RundeSpielerBewertung
1Rob Gronkowski, TEValue
2Le’Veon Bell, RBValue
3Lavonte David, LBValue
4Doug Baldwin, WRBust
5Carson Palmer, QBSteal
6Jamaal Charles, RBReach
7Karl Joseph, DBBust
8Joey Bosa, DLReach
9Muhammad Wilkerson, DLValue
10DeAndre Levy, LBSteal
11John Brown, WRReach
12Michael Crabtree, WRReach
13Richard Sherman, DBValue
14Prince Amukamara, DBBust
15Everson Griffen, DLSteal
16Coby Fleener, TEBust
17Thomas Davis, LBValue

Das sieht eigentlich gar nicht so schlecht aus. Viele Spieler (sechs) habe ich ungefähr in der Range gepickt, wo sie auch sonst vom Board gingen. Vor allem die ersten drei Runden war das der Fall, so dass ich die besten Spieler offensichtlich ganz gut eingeschätzt habe.

Es waren immerhin auch drei Steals dabei, was tendenziell dafür sprechen würde, dass ich sehr gute Spieler bekommen habe.

Die vier Reaches waren auch alles Picks, die innerhalb der nächsten anderthalb Runden vom Board gingen. Somit war die Schwarmintelligenz unserer Liga auch eher davon überzeugt, dass es sich um gute Spieler handelt.

Die Bezeichnung „Bust“ ist auch nur darauf bezogen, dass ich die betreffenden vier Spieler mindestens zwei Runden zu früh gepickt habe. Es ist also eher ein sehr großer Reach gewesen, da beim Draft eigentlich kein Spieler busten kann.

Diese Bewertung ist natürlich mit Vorsicht zu genießen, da sie sich nur auf unseren Draft bezieht. Ich kann nicht einschätzen, wie fachmännisch der Draft geführt wurde und wie viel Wissen die einzelnen Spieler hatten. Nach diesen Werten ist mein Draft zumindest gar nicht so schlecht gelaufen.

Einschätzung nach Leistung

RundeSpielerBewertung
1Rob Gronkowski, TEReach
2Le’Veon Bell, RBSteal
3Lavonte David, LBReach
4Doug Baldwin, WRReach
5Carson Palmer, QBBust
6Jamaal Charles, RBBust
7Karl Joseph, DBReach
8Joey Bosa, DLValue
9Muhammad Wilkerson, DLReach
10DeAndre Levy, LBBust
11John Brown, WRReach
12Michael Crabtree, WRReach
13Richard Sherman, DBBust
14Prince Amukamara, DBBust
15Everson Griffen, DLSteal
16Coby Fleener, TEBust
17Thomas Davis, LBValue

Der Blick auf meine Einschätzung nach erbrachter Leistung sieht da leider ganz anders aus.

DraftpositionLeistung
Reach47
Value62
Steal32
Bust46

Die Leistung meines theoretischen Starting Line-Ups war echt mies. Mit sieben Reaches und vor allem sechs Busts aus 17 Runden ist natürlich keine Top-Mannschaft aufzubauen. Da helfen auch zwei Value Picks und zwei Steals nicht, auch wenn diese natürlich eine gute Basis schaffen, auf die man aufbauen kann.

Was man an dieser Diskrepanz auf jeden Fall gut erkennen kann, ist meine fehlende Erfahrung. Die korrekte Bewertung von Spielern viel mir sehr schwer und ich kann mich auch daran erinnern, dass ich früh angefangen habe zu schauen, welche Spieler vor mir gepickt wurden und habe dann den selben ausgewählt.

Dass es aber zu dieser Diskrepanz zwischen den Bewertungssystemen kommt, bedeutet, dass entweder die Spieler tatsächlich sehr unter ihrem Level performt haben, oder meine Mitspieler ebenfalls sehr unerfahren waren. Dazu müsste man jetzt weitreichendere ADP-Vergleiche anstellen, aber das bringt meiner Meinung nach nichts an dieser Stelle. Die Liga hat ja ihre Mitspieler, an denen man sich messen muss. Und wenn diese auch erst lernen, dann ist das eben so.

Was wäre wenn…

Auch wenn man hinterher bekanntlich immer schlauer ist und alles ganz einfach aussieht, will ich meine ersten 17 Picks mit den Spielern vergleichen, die mir noch zur Verfügung gestanden hätten.

PosMein DraftPlayer available
QB5.33 QB1 Carson Palmer5.33 QB1 Marcus Mariota
RB2.04 RB1 Le’Veon Bell
6.04 RB2 Jamaal Charles
1.33 RB1 Le’Veon Bell
2.04 RB2 David Johnson
11.33 RB3 Melvin Gordon
WR4.04 WR1 Doug Baldwin
11.33 WR2 John Brown
12.04 WR3 Michael Crabtree
3.33 WR1 Jordy Nelson
4.04 WR2 Doug Baldwin
8.04 WR3 T.Y. Hilton
TE1.33 TE1 Rob Gronkowski
16.04 TE2 Coby Fleener
6.04 TE1 Travis Kelce
DL8.04 DL1 Joey Bosa
9.33 DL2 Muhammad Wilkerson
15.33 Everson Griffen
10.04 DL1 Joey Bosa
12.04 DL2 Calais Campbell
LB3.33 LB1 Lavonte David
10.04 LB2 DeAndre Levy
17.33 LB3 Thomas Davis
7.33 LB1 Alec Ogletree
13.33 LB2 Zach Brown
15.33 LB3 Kiko Alonso
17.33 LB4 Thomas Davis
DB7.33 DB1 Karl Joseph
13.33 DB2 Richard Sherman
14.04 DB Prince Amukamara
9.33 DB1 Landon Collins
14.04 DB2 Eric Weddle
16.04 DB3 Karl Joseph
2016Total: 2.128,02 (#36)
Av: 163,7
pot. Siege: 21/455
Total: 3.275,52
Av: 251,96
pot. Siege: 393/455

Mit meinem Line-Up hätte ich 2016 wohl abgeschlagen den letzten Platz gemacht, während ich mit dem alternativen Team wohl mindestens in die Playoffs gekommen wäre. Die potentiellen Siege ist die Anzahl an Spielen die ich gewonnen hätte, wenn ich jede Woche gegen jedes andere Team gespielt hätte.

Natürlich sind diese Zahlen nicht wirklich aussagekräftig. Der Draft wäre anders verlaufen, hätte ich so gepickt und einige Spieler aus meinem abgebildeten Line-Up haben kaum in der NFL gespielt und mussten deshalb durch andere Spieler ersetzt werden. Aber man sieht deutlich, was es ausmacht, wenn man sich mit den Spielern im Vorfeld beschäftigt. Denn nicht alle Spieler aus dem alternativen Line-Up sind Sleeper, sondern gehören auf ihren Positionen zu den besten. Allerdings erfordert die Vorbereitung, gerade für die Defense, extrem viel Zeit und Wissen.

Mein Roster nach dem Draft

Auf die späteren Picks brauche ich gar nicht mehr so detailliert eingehen. Der Großteil war echt Käse, der auch schon nicht mehr in meinem Team spielt, aber es waren auch ein paar Picks dabei, über die ich heute sehr froh bin. Ein Carson Wentz, Rishard Matthews, Kyle Rudolph oder Tahir Whitehead sind für mich echte Steals gewesen.

Was ich gelernt habe

Wie ich schon geschrieben habe, ist das Wissen bei Fantasy Football Macht. Wer die Spieler schon beim Draft richtig einschätzen kann, wird potentiell ein gutes Team zusammenstellen. Gerade die Kombination von Verletzung und Alter habe ich zu sehr missachtet und so einige Spieler geholt, die ihre Leistung nach einer schweren Verletzung nicht mehr erbringen konnten. Auch das Alter der Spieler ist bei Dynasty Football ein wichtiger Faktor. Siehe meinen QB1 Pick. Palmer, der mitte 30 war, hatte nicht mehr viele Jahre zu spielen, während es genug junge Talente gibt, die mindestens genauso gut werden können. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Vertragssituation von NFL-Spielern. Sind sie im so genannten Contract Year (also im letzten Vertragsjahr) kann es sein, dass sie in der nächsten Saison bei einem anderen Team spielen. Gerade in der NFL werden Spieler von heute auf morgen getradet und man sollte seine Fantasy-Spieler im Auge behalten (Konkurrenz um Startplatz, Spielsystem, Bye Week).

Auf der anderen Seite ist Fantasy Football von so vielen Faktoren abhängig, auf die man keinen Einfluss hat. Verletzungen, Trades oder Coaching-Wechsel sind nur ein paar davon. Es gilt also eher die Devise: Man kann beim Draft keine Liga gewinnen, aber sie verlieren. Aber keine Sorge, wer den Draft verkackt, hat immer noch die Möglichkeit durch Trades und die Free Agency zu reagieren. Denn Coaching ist ein sehr großer Teil von Fantasy Football und macht gerade das Dynasty-Format auch aus.

Der nächste wichtige Punkt, ist das Scoring System seiner Liga zu kennen. Ja, ich sage es nochmal. Da ich generell sehr wenig Ahnung von dem Sport hatte, fiel es mir auch schwer, die Bepunktung einzuschätzen. Zum Beispiel erzielen bei uns die Defensive-Line-Spieler durchschnittlich die wenigsten Punkte. Im Draft sollte man also schauen, dass man möglichst einen Top-Tier-Scorer bekommt, aber dann auch nicht mehr zu viele frühe Picks investiert. Ich hatte in den Top 15 drei Spieler gepickt, was mindestens einer zu viel war. Dasselbe gilt bei uns für Cornerbacks. Für mich die schwierigste Position in unserem Scoring System. Da sie als Defensive Backs mit den Safeties zusammengefasst werden, dachte ich am Anfang, dass es egal ist, welche Position man draftet. Die Qualität von NFL-Cornerbacks zeichnet sich aber dadurch aus, dass ihre Gegenspieler (die Receiver) kaum angespielt werden und sie somit auch seltener aktiv ins Spielgeschehen eingreifen. Dadurch machen sie auch tendenziell weniger Punkte. CBs, die gute Punkte machen, gibt es bei uns eigentlich immer auf dem freien Markt und sind durchaus Matchup-Lösungen. Ich habe mich aber nach der ersten Saison von all meinen CBs getrennt und bin auf Safeties umgestiegen.

Mein letzter Hinweis: Draftet nur die Positionen back-to-back (also mit zwei Picks hintereinander), die viele Punkte bringen. Ansonsten geht euch zu viel Value durch die Lappen, den ihr nur schwer wieder kompensieren könnt. Für mich sind das bei uns nur RBs, WRs und LBs.

Respekt, wenn du bis hierhin drangeblieben bist. Meine Reise geht jetzt so richtig los und ich freue mich schon auf den nächsten Teil, in dem es um meine erste Saison als Fantasy-Football-Rookie geht.

Vielen Dank fürs Lesen und bis bald

Jakob

NFL und Fantasy Football verrückt seit 2016 und durch "All or Nothing" Fan der Arizona Cardinals geworden. Kam mit seiner Kolumne "Man in Motion" ins Ach Du Alarm Team und ist einfach geblieben.

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