Draft Prep: Die „Zero-RB“-Strategie

Draft Prep: Die „Zero-RB“-Strategie

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Der Draft ist das Ereignis, auf das alle Fantasy Spieler hinfiebern. Hier wird der Grundstein für die Saison gelegt und viel Zeit in die Vorbereitung investiert.

Gerade für Anfänger ist es aber gar nicht so einfach, die Spieler und ihren Wert richtig einzuschätzen. Um es euch etwas leichter zu machen, stellen wir euch ein paar Strategien für den Fantasy Draft vor. Bevor ihr eine dieser Strategien tatsächlich anwendet, solltet ihr sie in einigen Mock Drafts ausprobieren, um ein Gefühl zu bekommen, welche Spieler zu welchem Zeitpunkt gepickt werden oder verfügbar sind. Dafür gibt es unter anderem die Möglichkeit bei fantasypros, nfl.com oder espn. Wir empfehlen dabei Mock Drafts gegen Menschen und nicht gegen ADP oder andere automatische Listen, da diese die realen Fantasy Drafts nicht wirklich abbilden.

Den Anfang macht heute die „Zero-Running Back“-Strategie.

Die Basics

Grundlegend beschreibt dieses „Zero+Positionsgruppe“ die Strategie, eben diese Spieler in den ersten Runden des Drafts zu übergehen und sich auf die anderen zu konzentrieren.

Befürworter der „Zero-RB“-Strategie verzichten mitunter das komplette erste Drittel des Drafts darauf, Running Backs zu picken und damit hohe Draftpicks auf Spieler zu „verschwenden“, die sich auf Grund ihrer hohen Belastung mit größerer Wahrscheinlichkeit verletzen. Stattdessen füllen sie die anderen Positionen in ihrem Roster und wählen erst in den späteren Runden die RBs mit hoher Upside, die, gemessen an ihrer Draftposition, überdurchschnittlich viele Fantasy-Punkte einbringen können.

Die Theorie

Gehen wir das ganze Thema erst einmal theoretisch an und vergleichen die Fantasy-Punkte der letzten fünf Jahre.


Es lässt sich erkennen, dass die Spitze (abgesehen von Tight Ends) sehr eng beieinander liegt. Somit sollte die „Zero-RB“-Strategie doch theoretisch problemlos funktionieren? So einfach ist das leider nicht, denn es ist ein Trend in der NFL erkennbar, der gerade in PPR-Ligen einen enormen Einfluss hat. Die elitären Running Backs werden immer mehr ins Passspiel eingebunden, was sie auch für Fantasy Football wertvoller macht. Schauen wir uns dazu mal die Daten nur der letzten beiden NFL-Saisons an.

Die Lücke zwischen den Top RBs und Top WRs ist deutlich größer geworden, was dir einen enormen Vorteil verschafft, wenn du einen dieser Running Backs im Team hast.

Verzichtest du im Draft auf diesen Vorteil, musst du deine Draftstrategie dahingehend anpassen und die „verlorenen“ Punkte irgendwie ausgleichen. Die Möglichkeiten dafür lassen sich ebenfalls aus dem Diagramm ableiten.

Die Strategie

Zum Beispiel solltest du versuchen, den Punkteabfall zwischen QB1 und QB3 sowie TE1 und TE3/4 auszunutzen. Die ADP der Elite TEs liegt derzeit bei 23 (also Ende der zweiten Runde) und die der Elite QBs bei 26 (Anfang der dritte Runde).

Die Strategie für die ersten Runden sollte demnach lauten:
1. Runde: Elite WR
2. Runde: Stud WR
3. Runde: Elite TE
4. Runde: Elite QB
5. Runde: Guter Flex WR (sollte der Value hier zu groß sein, hole dir ruhig deinen Starting Running Back)

Nach dieser Reihenfolge und den Daten aus den Diagrammen ergibt sich schon eine Bedingung für „Zero-RB“: Im Starting Line-Up sollte nur ein Running Back stehen. Die letzten Workhorse-Running Backs gehen derzeit spätestens in Runde vier vom Board. Fehlen dir diese „sicheren“ Punktelieferanten gleich doppelt, wird es ungleich schwerer, diese mit anderen Positionen auszugleichen.

Die Targets

Wie jede andere Draftstrategie auch, ist „Zero-RB“ vom Draftpick abhängig. Um die Fenster zu bestimmen, in denen diese Herangehensweise Sinn machen kann, müssen wir erst einmal herausfinden, wer die Elite WRs sind, die wir benötigen. Die höchste ADP haben derzeit:

(in den Spalten die Fantasy-Platzierung nach Woche 16 unter allen WRs; in grün eine Top-3 Platzierung)

Antonio Brown sollte dabei in allen Redraft-Ligen als erster Wide Receiver vom Board gehen. Er hat die letzten fünf Jahre eindrucksvoll bewiesen, wie konstant er spielt.

Die Wahl für den zweiten Receiver ist schon etwas schwieriger, wird aber zwischen Hopkins und OBJ fallen. Bei beiden liegt die ADP relativ niedrig, da viele Kamara und/oder Barkley vor ihnen ziehen werden. Kriegst du einen der beiden an Position #9 – herzlichen Glückwunsch!

Das heißt, wir haben ein ADP-Fenster für „Zero-RB“ von Picks #1-#10, wenn der Draft für uns läuft. Sind alle drei Elite WRs bereits weg, solltest du auf eine andere Strategie für deinen Draft wechseln.

Die Fenster

Machen wir mal die Gegenprobe und schauen auf unsere Draft-Strategie. Wir benötigen mindestens einen Elite TE oder Elite QB, wenn nicht sogar beides. Die ADP Fenster dafür sehen wie folgt aus (Achtung: Snake Format, d.h. die Reihenfolge alterniert zwischen den Runden).

(in grün: optimale Value-Picks; in gelb: leichte Reaches; in rot: Reaches)

Gehen wir die Picks nach dem Ausschlussverfahren durch. Die „schlechteste“ Ausgangslage hast du an Draftposition #6. Du bekommst zwar relativ sicher einen der drei Elite Receiver, für die ersten zwei Elite TEs wird es aber schon knapp, so dass du hier eventuell schon mit #3 vorlieb nehmen musst, oder einen großen Reach eingehst. Das selbe bei den Quarterbacks. Mit Glück, fällt die #2 bis zu dir in die vierte Runde, aber sicher sein kannst du dir nicht. Deshalb würde ich hier eine andere Strategie wählen.

Die Picks #9-#12 sind Spots, wo du mehr oder weniger eh darauf hoffen musst, einen der Top-3 Receiver zu bekommen. Wenn dem so ist, kriegst du direkt einen zweiten Stud WR dazu. Bei den Tight Ends wird es schon etwas eng, wobei dein WR aus Runde zwei den Unterschied zwischen TE3 und TE4 durchaus ausgleichen könnte. Du kannst allerdings auch Ende der dritten Runde einen Quarterback draften, wenn du dich damit wohler fühlst. Dir muss aber bewusst sein, dass der Wert eines Running Backs Anfang der zweiten Runde im Verhältnis so hoch ist, dass du hier eigentlich zugreifen solltest. Wenn du „Zero-RB“ durchziehen willst, empfehle ich, deinen Starting RB bereits in der fünften Runde zu picken.

An den Positionen #7 und #8 musst du wahrscheinlich so große Reaches eingehen, dass ich „Zero-RB“ hier nicht empfehlen würde.

Bleiben noch die Positionen am Anfang des Draftes. Mit Pick #1, #2 und vielleicht auch noch #3 hast du alles in eigener Hand. Das bedeutet, du hast vermutlich auf allen Positionsgruppen (abgesehen von RB) die freie Auswahl und kannst den in deinen Augen besten Spieler picken. Auch hier wird es so sein, dass du Reaches eingehen musst, aber darüber bist du dir ja bewusst. Außerdem wirst du mit deinen frühen Picks die Draftchemie stark beeinflussen. Vielleicht wirkt sich das auch auf die Mid-Round RBs aus.

Mock Drafts

Für alle Positionen findest du hier einen Mock Draft.

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(Bitte beachtet, dass die Mock Drafts schon etwas her sind. Mittlerweile haben sich die ADPs schon wieder etwas geändert).

Wann kannst du „Zero-RB“ riskieren

Als Fazit lässt sich zusammenfassen, dass es zwar nur sehr kleine Fenster gibt und „Zero-RB“ eigentlich immer mit Reaches verbunden ist, aber diese Strategie durchaus aufgehen kann. Dafür sollten aber ein paar Voraussetzungen erfüllt sein.

  1. Du bekommst einen der Elite Wide Receiver
  2. Du kommst in die ADP-Fenster, in denen du die Chance hast einen Elite TE und Elite QB zu draften (dafür sind Picks am besten, die im Draft relativ nah beieinander liegen)
  3. Der Value der verfügbaren RBs sollte nicht zu hoch sein

Die Strategie funktioniert aber nicht mehr, solltest du mit zwei starting Running Backs spielen, da hier der Wert eines sehr guten RBs nochmal gesteigert wird.

Natürlich ist das nur ein theoretisches Modell, bei dem der Draft schon sehr in deine Richtung laufen muss, aber ich habe gefallen an dieser Herangehensweise gefunden und werde versuchen, dieses Jahr ein Team so aufzubauen.

NFL und Fantasy Football verrückt seit 2016 und durch "All or Nothing" Fan der Arizona Cardinals geworden. Kam mit seiner Kolumne "Man in Motion" ins Ach Du Alarm Team und ist einfach geblieben.

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